Schulchronik

Unsere Geschichte

Von der kleinen Dorfschule am Anger bis zum modernen Kommunikationszentrum – die Linden-Grundschule Velten spiegelt seit weit über hundert Jahren den Wandel der Stadt.

18772017
Vier Schulgebäude, sieben politische Epochen, eine gemeinsame Geschichte.

Die ersten Schulhäuser

Gründerzeit

1877 entstand am Anger das erste eigene Schulgebäude Veltens – doch der Ort wuchs schneller als seine Klassenzimmer. Schon im Oktober 1885 wurde deshalb ein neues Schulhaus an der Viktoriastraße eingeweiht.

Auch dieses reichte nicht lange: Velten entwickelte sich rasant zum Industriestandort, und 1894 kam ein zweites Schulgebäude hinzu. Am 1. Oktober jenes Jahres zogen rund 460 Mädchen in acht Klassen in die neue, von Kantor Deter geleitete Mädchenschule an der Rathausstraße ein – die Jungen blieben im älteren Haus.

Der Zuwachs hielt an: 1896 zählte die Mädchenschule bereits 582 Schülerinnen in zehn Klassen, bei einer Klassenfrequenz von 41 bis 65 Kindern. Gegenüber der Knabenschule ließ sich Lehrer Otto Ziethen 1895 die Villa in der Schulstraße 3 errichten.

Rektoren, Bücherei und Kachelmuseum

Jahrhundertwende

Die Schulleitung wechselte in dieser Zeit mehrfach: 1903 übernahm Richard Habermann die Rektorenstelle, 1904 leitete der dienstälteste Lehrer Gustav Gericke die Schule, und 1905 folgte Rektor Haselberger.

Das Gebäude diente längst nicht nur dem Unterricht: Es beherbergte auch die Volksbücherei und die Fortbildungsschule der Gemeinde. Mit Unterstützung von Gemeindevorsteher Hermann Aurel Zieger, Kantor Gustav Gericke und der örtlichen Keramikindustrie entstand im Dachgeschoss zudem ein Ortsmuseum für die Kachelofen-Tonwarenindustrie.

Unter der Leitung Gerickes zeigte das Museum in zwölf Räumen Kacheln, Musterbücher, Ofenschmuck, Ofenmodelle sowie Zeitschriften und Fachliteratur – ein Abbild von Veltens prägender Ofenkachel-Tradition, mitten im Schulhaus.

Kaserne, Kriegsjahre und Zusammenschluss

Erster Weltkrieg & Nachkriegszeit

1916 wurde das Schulhaus zur Kaserne umfunktioniert. Im Gebäude der Knabenschule an der Viktoriastraße mussten fortan 28 Klassen von Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden – durchgängig von 8 bis 16 Uhr, eine enorme Belastung für das Lehrpersonal.

Erst 1918 stand das Schulhaus wieder zur Verfügung. Es kam zu einem Rollentausch: Der bisherige Rektor der Mädchenschule übernahm die Knabenschule, die Kinder zogen um, und das ältere Gebäude wurde nun unter Rektor Haselberger zur Mädchenschule. Ihm verdankt die Schule bis heute große Teile ihrer handgeschriebenen Chronik.

1927 schließlich wurden Knaben- und Mädchenschule unter Rektor Zurker zusammengeführt und als gemeinsame Volksschule weitergeführt.

Polytechnische Oberschule

DDR-Zeit

Nach Gründung der DDR wurde die Schule 1957 zur zehnklassigen Polytechnischen Oberschule (POS) umorganisiert.

Am 14. April 1976 erhielt sie den Namen Richard Ungermanns – eines kommunistischen Stahlarbeiters, der am 16. Mai 1933 im KZ Meissnershof ermordet worden war.

Getrennte Wege, neue Einheit

Nach der Wiedervereinigung

Nach der Wiedervereinigung wurden die beiden Schulgebäude wieder getrennt: Das Haus an der Viktoriastraße wurde zur Gesamtschule, das Gebäude an der Rathausstraße zur Grundschule erklärt.

Aus Platzgründen konnten dort ab dem Schuljahr 1991/92 zunächst nur die Klassen 4 bis 6 unterrichtet werden. Die Klassen 1 bis 3 besuchten den Unterricht auf dem Gelände der Oberschule an der neuen Poststraße.

Erst mit Beginn des Schuljahres 1998/99 konnte die Grundschule wieder beide Gebäude gemeinsam nutzen – die Trennung war aufgehoben. Am 4. November 1998 erhielt sie ihren heutigen Namen: Linden-Grundschule Velten.

Das Kommunikationszentrum

Gegenwart

Am 9. September 2017 wurde das Veltener Kommunikationszentrum eröffnet. Es vereint unter einem Dach einen modernen Schulneubau, die Stadtbibliothek und einen großen Veranstaltungsraum für fast 200 Personen – ein neues Kapitel für eine Schule, die seit 1877 mit ihrer Stadt gewachsen ist.